Hl. Eucharistie

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Heiß brannte die Sonne vom Himmel, Winde pesten durch gähnend leere Geröll­land­schaf­ten. Die Steine glühten unter den dünnen Sohlen der Sandalen. Jeder Schritt war wie der Tanz auf glü­hen­den Kohlen. Der Blick trüb vom glei­ßen­den Licht. Die Augen gegei­ßelt vom steten Strom sand­kör­ni­ger Luft. Die Gedanken erlahmt von zeh­ren­der Trocken­heit. Und immer ‒ immer nur Sand, Geröll, Felsen. Gelb und grau flirrte die Leere.

Dann taute vom Himmel süßes Brot. Und das Volk Gottes fragte: „Man-hu? ‒ Was ist das?

↓ Wollen Sie wei­ter­le­sen?

Diese Frage durch­weht die Geschich­te Gottes mit seinem Volk. Bis zu der Nacht, in der sich alles ent­schied; als sie bei­ein­an­der saßen und das Pas­sah­fest feierten. Das Lamm­fleisch duftete von herben Gewürzen, unge­säu­er­tes Brot und gemisch­ter Wein standen auf dem Tisch. Wie jedes Jahr.

Da steht Er auf. Die Blicke sind sofort auf Ihm. Gesprä­che ver­stum­men. Er beugt sich über den Tisch, greift nach dem Brot: „Nehmet, esset, das ist mein Leib.“ Was sagt Er da? Was soll das sein? Was ist dieses Brot?
Sie nehmen jeder ein Stück vom Brot. Pein­lichst bemüht, dass kein Krümel zu Boden fällt. Sein Leib? Er wartet, dass sie essen. Sie kauen vor­sich­tig. Bedäch­tig. Es schmeckt mit einem Mal seltsam. Wie ein Wort, das dem Munde nicht mehr schmeckt, weil man es zu oft wie­der­holt hat.

Er nimmt Seinen Kelch, füllt ihn aus der Karaffe. Er hebt ihn über dem Tisch in die Höhe. Aller Augen warten gespannt, liegen wieder auf Ihm. „Trinket alle daraus, das ist mein Blut des Bundes, das ver­gos­sen wird für viele zur Ver­ge­bung der Sünden.“ Sie trinken alle aus Seinem Kelch.

Am nächsten Tag ist Er tot. Gestor­ben für viele. Aus Liebe zu Seinem Volk.

Am dritten Tag zer­streu­ten sie sich in aller Frühe. Die zäh­flüs­si­ge Benom­men­heit in den Köpfen nahm endlich ab. Die Frauen hatten duftende Öle ein­ge­kocht und waren zu Seinem Grab auf­ge­bro­chen, den Leichnam zu salben. Aber sie fanden Ihn nicht. Sie rannten zurück.

Ent­rü­stet brachen zwei der Männer auf. Engel hätten die Frauen gesehen! Nie­man­dem nützt es, sich etwas vor­zu­ma­chen. Das Leben muss wei­ter­ge­hen. Ihre aus­ge­trock­ne­ten Augen brannten in der Sonne, als sie vor die Tür traten. Sie folgten der Straße ‒ weg von der Tür, wo sie begann. Kein Ziel, einfach weg von dort. Sie liefen nach Westen, weil ihre Ver­zweif­lung die auf­ge­hen­de Sonne nicht ertragen konnte. Sie schien unge­wöhn­lich hell und warm ‒ ja fast heiß vom Himmel herab. War nun alles vorbei?

Keinen Proviant hatten sie am späten Morgen mit­ge­nom­men. Warum auch, ganz ohne Ziel? Hunger und Durst hatten sie gewiss, aber die Gedanken dröhnten zu laut. Sie achteten nicht auf den Weg, der sie mitt­ler­wei­le auf die Straße nach Emmaus geführt hatte. Die Sonne war den Tag über die beiden hin­weg­ge­wan­dert und schien nun von vorne. Erst spät wurden sie der Gestalt in dem Licht gewahr.

Er schien die beiden beglei­ten zu wollen und hörte ihnen zu, als sie ihr ganzes Leid von der Seele redeten. Am Abend kehrten sie in Emmaus ein. Brot und Wein standen auf dem Tisch. Da nahm Er das Brot, dankte Gott, brach es und gab es ihnen. Schwer wiegt es in der Hand.

Plötz­lich ‒ heiß und kalt läuft es mir den Rücken herab. Das Brot in der Hand, der Blick erhebt sich und sieht ins Leere. Wo ist er hin? Er hat mir das Brot gegeben und dann war Er nicht mehr zu sehen! „Was ist das?“

Das ist mein Leib, der für Euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächt­nis.


Jede Feier dieses Mahles bringt uns zurück in die Nacht, in der sich alles ent­schied. Jede Feier der Eucha­ri­stie lässt uns im Abend­mahls­saal von Jeru­sa­lem stehen. Die Zeit und der Ort der Jünger werden zu unserer Gegen­wart. Christus selbst spendet seinen Leib und sein Blut an das ver­sam­mel­te Volk Gottes.

Es ist die Erfül­lung der Bitte um das täglich‘ Brot.
Es ist die Erfül­lung des Mensch­li­chen Lebens.
Es ist die Gemein­schaft zwischen Gott und Mensch.

Grund zum Danken. Grund zur Eucha­ri­stie. Grund des Ewigen Lebens.

Br. Cyprian