Non

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In der Non (lat. nona <hora>: neunte Stunde, nach heutiger Zählung 15 Uhr) gedenkt die Kirche seit früher Zeit der Stunde, zu der ihr Herr am Kreuz verstarb und durch den Tod das Heil erwarb. Warum aber gerade zu dieser Zeit? „In der neunten Stunde rief Er laut und gab Seinen Geist auf. Und als eine Seite Seines Leibes durch­bohrt wurde, brachte Er uns die beiden Sakra­men­te unserer Erlösung, also das Wasser der Taufe und das Blut unseres Heils hervor.“ (Joh. Beleth: summa de eccl. off., c. 29b.)

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Nach der Eröff­nung singen wir gleich den alten Hymnus „Gott, aller Dinge Halt und Kraft“. Zuerst scheint dies ganz unpas­send, doch finden wir hierin das Geheim­nis der Erlösung in jener eigenen und schwer begreif­ba­ren Spannung aus­ge­drückt, die der Hl. Apostel uns so erklärt: „Das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, eine Torheit; uns aber, die wir gerettet werden, ist es Gottes Kraft.“ (1Kor 18,18.)
Zugleich bekennen wir in diesen Strophen, dass der Tod nicht Dunkel und Ende ist, sondern gleich­sam nur die Brechung des alten Lichtes der Welt zum neuen Licht der Gottheit: „Doch dreh’n des Tages Zeiten sich / im bunten Spiel nach Deinem Plan.“

Die Psal­mo­die ist nach unserer Ordnung genommen aus dem Ps 119, der sich über den Verlauf einer Woche auf die drei kleinen Tageshoren Terz, Sext und Non verteilt. Seinen schlech­ten Ruf als langes und trocke­nes Gebilde hat er ganz zu Unrecht: Gerade in der bestän­di­gen Medi­ta­ti­on dieser theo­lo­gisch wie poetisch kost­ba­ren Worte in kleinen Etappen schließt die Kirche den Schatz auf, der im Innern liegt, und in der Non hören wir die Mah­nun­gen zur Treue gegen Gottes Gebote nicht als Ketten unseres Lebens, sondern als jene, die Seinen eigenen Sohn aus freiem Willen ans Kreuz gebunden haben, um uns zu erlösen. Der Gehorsam Christi gegen den Willen des himm­li­schen Vaters ist uns zum Vorbild geworden auf unseren eigenen Wegen zur Voll­kom­men­heit. Mit diesem Blick auf die ewige Herr­lich­keit Gottes klingt nicht länger hart und schwer jenes Psalm­wort, sondern zart und leicht zieht es unsere Seelen nach dem Himmel hin: „Tu wohl Deinem Knecht, dass ich lebe * und Dein Wort halte!“ (Ps 119, 17.) Das Leben, um das wir bitten, ist ebenso Christus selbst wie das Wort, das wir halten und ehren.

Die Lesungen spiegeln dieses gött­li­che Geheim­nis über die Woche in je eigenem Strahlen wider, sie sind voll des Trostes und der Ermutigung.
Ihnen folgt das Respon­so­ri­um „Ich rufe von ganzem Herzen, erhöre mich Herr, dass ich Deine Rechte halte.“ Was anderes sollte die vom Licht getrof­fe­ne Seele auch bitten als gerade dies: Dass sie ihr Herz hingeben darf zur Freude ihres Herrn?

Das Canticum aus dem Prolog des Evan­ge­li­ums des Hl. Johannes hat in seiner Mitte jene geheim­nis­vol­le Stelle, die jenes nicht zuvor und nicht hernach je wieder gehörte Wunder umklei­det, aus dem unser Heil kommt: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, * und wir sahen Seine Herr­lich­keit.“ (Joh 1,14a.) Hier knien wir das gött­li­che Geheim­nis anbetend nieder, in Ehr­furcht ebenso wie in Dank­bar­keit gegen solche Gnade.

Das Schluss­ge­bet stellt uns Vor­bil­der vor Augen, die mit dem Ereignis der neunten Stunde jenes Kar­frei­tags zu tun haben, dem wir hier im Gebet nach­ge­hen. Wir bitten darum, dass Gott an uns erfüllen möge, was Er damals begonnen hat: „Herr Jesus Christus. Um uns Menschen zu retten, hast Du am Kreuz die Arme aus­ge­brei­tet. Lass in unserem täg­li­chen Leben sichtbar werden, dass Du uns erlöst hast.“ (Gebet am Mittwoch.)
Jenes Spiel von Licht und Schatten, Tod und Leben, Offen­ba­rung und Geheim­nis, es soll unser Leben ergrei­fen und ver­wan­deln ganz auf Christus hin.

Bene­di­ca­mus und Segen beschlie­ßen die Gebets­zeit, ehe wir schwei­gend das Ora­to­ri­um verlassen.

Gerade für uns Geschwi­ster im West­kon­vent ist die Non eine auch emo­tio­nal hoch besetzte Gebets­zeit, denn sie ist die erste am Tag, die wir auf unseren Kon­ven­ten gemein­sam halten können. Und sind wir auch aus vielen Rich­tun­gen gekommen, hatten wir viel­leicht eine blöde Anreise, eine blöde Zeit in unseren welt­li­chen Berufen und Studien, und manches Mal auch viel der Ein­sam­keit in der Seele: Hier, im Gebet, sind wir befreit davon und eins.

Nov. Malte