Komplet

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Das ist ja immer dasselbe!“ Das habe ich schon mehrfach in Bezug auf die Komplet gehört. Es geht um die letzte Gebets­zeit des Stun­den­ge­bets am Ende des Tages. Es ist zwar nicht wirklich immer dasselbe, aber die Komplet ist tat­säch­lich die Gebets­zeit mit den wenig­sten Varia­tio­nen – und genau das macht sie zu meinem bevor­zug­ten Teil des Stundengebets.

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Die Komplet beschließt den Tag. Sie beginnt mit der Erfor­schung des eigenen Gewis­sens und damit, Gott die Unvoll­kom­men­hei­ten des Tages im Schuld­be­kennt­nis zu über­las­sen. Nach der Ver­ge­bungs­bit­te folgen einige Psalmen, ein Hymnus, eine Kurz­le­sung, der Lob­ge­sang des Simeon etc., jeweils aus einer über­schau­ba­ren Anzahl von Mög­lich­kei­ten – Gebete und Gesänge, die vor allem das Ver­trau­en in Gott und die Bitte um Bewah­rung zum Thema haben. Sie endet immer mit einem maria­ni­schen Hymnus.

Häufig ist gerade die Komplet die Gebets­zeit, die man als Erstes nahezu aus­wen­dig kann. Das zeigt meines Erach­tens die Weisheit der Kirche und der gläu­bi­gen Männer und Frauen, die durch die Jahr­hun­der­te hindurch der Komplet ihre Gestalt gegeben haben. Am Ende des Tages, wenn die Kon­zen­tra­ti­on nach­lässt, sind keine gei­sti­gen „Lei­stun­gen“ mehr nötig. Hier darf das gläubige Ver­trau­en genügen. Dabei findet – schon seit Jahr­hun­der­ten – statt, was man modern und säkular als „Run­ter­kom­men“ bezeich­nen könnte. Nur findet es in diesem Fall seine Begrün­dung, seinen festen Grund, in der gläu­bi­gen Zuversicht.

Mit solchen Gedanken kann man gut in die Nacht gehen. Nicht umsonst galt in vielen Klöstern, teil­wei­se bis heute, danach das große Still­schwei­gen bis zum ersten Gebet des neuen Tages.

Hymnus „Bevor des Tages Licht vergeht“

Bevor des Tages Licht vergeht,
O Herr der Welt, hör dies Gebet:
Behüte uns in dieser Nacht
durch deine große Güt‘ und Macht

Hüllt Schlaf die müden Glieder ein,
lass uns in Dir geborgen sein
und mach am Morgen uns bereit
zum Lobe Deiner Herrlichkeit.

Dank Dir, o Vater, reich an Macht,
der über uns voll Güte wacht
und mit dem Sohn und Heil’gen Geist
des Lebens Fülle uns verheißt.

Text: Fried­rich Dörr nach dem Hymnus „Te lucis ante terminum“

Sr. Hannah