Regionalkonvent West April 2018
nov-heike
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Zu Beginn ein leerer Tisch. Mit sanftem Schwung wird ein Gewand auf die dunkle Maserung des Holzes gelegt. Feine Gold­fä­den sind durch den dicken cremig-weißen Stoff gewoben, bilden feine Muster, elegante Ranken schlin­gen sich umein­an­der. In der Mitte prangt ein sat­tro­tes Kreuz, geschmückt durch einen auf­ge­stick­ten Fisch, sein blau-grauer Leib schim­mert ver­spielt. Durch die Bewegung geht ein leichter Wind­hauch durch den engen Raum und der warme Geruch von schwerem Tuch dringt in die Nase. Son­nen­strah­len, die durch das ver­staub­te Fenster dringen, tänzeln über die gold­ge­wirk­ten Fäden, der Stoff wird Licht. Staub­flocken wirbeln sanft durch die Luft. Eine ruhige, kon­zen­trier­te Atmo­sphä­re breitet sich in dem rum­pe­li­gen-voll­ge­stell­ten Raum aus. Hände strei­chen sorgsam über den festen Stoff. Rasch und rou­ti­niert fließen die Bewe­gun­gen, ohne Eile oder Hast, aber auch ohne Trägheit.

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Weitere Stoff­bah­nen rascheln als sie vom Klei­der­bü­gel genommen, leicht aus­ge­schüt­telt und auf dem Tisch ange­ord­net werden. Weißer Lei­nen­stoff breitet sich aus, durch­bro­chen nur durch einen abge­setz­ten Besatz aus gestick­ten roten Kreuzen. Hier und da klauben Hände einen Faden auf, der sich auf das Gewand verirrt hat. Ein prü­fen­der und suchen­der Blick gleitet über die Wogen weißen Gewebes, auf der Suche nach ver­ein­zel­ten Fusseln. Die Suche bleibt zufrie­den­stel­lend erfolg­los, kein Makel ist zu finden. Es wird gefaltet, gerafft, zusam­men­ge­legt.

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Vom dunklen Holz der Tisch­plat­te ist nichts mehr zu sehen, alles ist bedeckt durch präch­ti­ge Stoffe, ein­zig­ar­tig gewoben und bestickt. Ein letztes Mal gleiten die langen, blassen Hände und der kri­ti­sche Blick prüfend über die Gewänder. Gelas­se­ne Zufrie­den­heit liegt in der Bewegung, spiegelt sich im Ausdruck.

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Es ist ein schlich­ter Vorgang, ein unauf­fäl­li­ger, der hinter geschlos­se­nen Türen geschieht. Er ist nicht laut oder will Beach­tung finden. Aber es ist ein Gesche­hen voll auf­merk­sa­mer Liebe und treuer Hingabe. In jeder Hand­be­we­gung, in jeder Falte und jedem Glatt­strei­chen wird eine Zuwen­dung spürbar, die von Ehr­furcht kündet, die zugleich gibt und empfängt. Das Auslegen der Gewänder ist ein not­wen­di­ges Werk, aber kein profanes. Der Herr sieht nicht so sehr auf die Größe der Werke als auf die Liebe, mit der sie getan werden, for­mu­lier­te es Teresa von Avila (1515–1582).

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Die Son­nen­strah­len wandern träge über die Stoff­la­gen auf dem Tisch. Hier und da tanzen Staub­flocken durch das Licht. Für eine kleine Weile wird die Tür geschlos­sen, der Raum bleibt men­schen­leer zurück. Wenn die Tür das nächste Mal geöffnet wird, werden die Gewänder ihrem Zweck gemäß getragen, die Gold­fä­den bejubeln dann das Geheim­nis des Glaubens, das Rascheln der Stoffe stimmt ein in den Lob­ge­sang.

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