Regiokonvent Köln März Fasten 2018
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Fasten ist ein Schlag­wort geworden, das irgend­wann zwischen Winter und Frühling auch den welt­li­chen Alltag auf­ge­regt durch­gei­stert. „Verzicht“ hören wir häufig in seinem Geleit, aber auch Wen­dun­gen wie „sich mal von etwas frei machen“ oder „die vielen Abhän­gig­kei­ten des Alltags mal bewusst los­las­sen“. Doch wem nützt dies?

Das welt­li­che Fasten dient (im besten Fall) der Gesund­heit des Fasten­den. Es ist einer Diät ver­gleich­bar oder einer Ent­schlackungs­kur. Wie alle Mittel der Indi­vi­dua­li­tät aber entbehrt es eines Maß­sta­bes, der außer­halb des gleich­sam Betrof­fe­nen liegt. Und so war ich nicht schlecht ver­wun­dert, als an einem der Fasten­sonn­ta­ge jemand zu mir sagte: „Ich hätte jetzt richtig Bock auf ’n Bier! Aber es ist ja Fasten­zeit.“ Ich erklärte ihm, dass die Sonntage selbst bei strenger Fasten­ob­ser­vanz aus­ge­nom­men seien. Jedoch Kopf­schüt­teln: „Wenn man nicht hart zu sich ist, bringt es doch nichts!“

Fasten Regiokonvent 2018 Köln

Das kirch­li­che Fasten ist voll der Gnade und Milde. Anders als die selbst auf­er­leg­ten Fasten­übun­gen der Ein­zel­nen rufen uns die Gebote der Kirche zu einer Zeit der Sammlung, der Buße (nicht aber der Strafe) und Vor­be­rei­tung auf die kommende Freu­den­zeit der Ostern. Das kirch­li­che Fasten nötigt nicht dem Indi­vi­du­um auf, selbst ein Maß für die Ent­beh­rung zu finden, sondern es lädt ein, sich ergrei­fen zu lassen von einer Bewegung vieler, zahl­lo­ser Geschwi­ster in Christus. Und die vielen Aus­nah­men, die gern belä­chelt werden von den Gesich­tern der Welt, sind nicht die Aus­flüch­te schein­hei­li­ger Drücke­ber­ger, sondern aus einer langen, gemein­sa­men Erfah­rung gewon­ne­ne Instru­men­te der Liebe und Geduld, damit niemand mehr tragen muss, als er kann.

Wer sich vom Fasten ergrei­fen lässt, der wird ein Hörender. Er hört von den Geboten der Kirche her hinein in die Stille, die mit der Fasten­lee­re kommt. Er hört aber auch auf­merk­sam um sich, welche Laute, Töne und Melodien er in diesen neu geschaf­fe­nen Raum hin­ein­las­sen will: Das Lärmen der Welt schließt er aus ebenso wie das Wüten des eigenen Herzens. Die Stimmen aber derer, denen er zum Nächsten werden will, lässt er hinein, die Worte der Kirche und der Heiligen Schrift, und gebe Gott, dass wir erkennen, durch welche Mittel Er noch hin­ein­spricht in unsere gewach­se­ne Stille!

Fasten Regiokonvent Köln 2018 März

Einer der frühen Meister des Hörens ist der Heilige Mönchs­va­ter Benedikt von Nursia. Seine Regel beginnt mit den Worten: „Höre, mein Sohn, genau auf die Gebote des Meisters und neige das Ohr Deines Herzens und nimm die Mahnung des gütigen Vaters gern auf und fülle nach­hal­tig auf!“ Aus dem Hören wächst die Tat, aus der Unter­wei­sung die Lebens­hal­tung, aus der Leere die Fülle.

Unser Bruder im Noviziat David hat uns in sein hörendes Lesen der Bene­dikts­re­gel mit hin­ein­ge­nom­men und ihren Fasten­sinn erschlos­sen. In dem anschlie­ßen­den gemein­sa­men Gespräch haben wir manche sich aus der Regel erge­ben­de Fragen zum Gehorsam unter­ein­an­der und gegen die Oberen ver­tie­fen können.

Das Wort für das Nacht­ge­bet „Komplet“ kommt vom selben Stamm wie das, mit dem der Mönchs­va­ter gebietet, die Fülle nach­hal­tig zu suchen. Mir ist es dieses Mal in der Komplet ganz deutlich auf­ge­gan­gen: Wenn die Kirche zum Fasten aufruft, so tut sie das nicht, um uns in die Leere zu stoßen, sondern gerade im Gegen­teil: um uns eine Fülle zu erschlie­ßen, die keinen anderen Zugang kennt als den schwie­ri­gen und engen des Hörens und Fastens.

Regiokonvent Köln Fasten März 2018