Regio Januar 2018 — Eremiten
br-cyprian
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Siehe, so wollte ich in die Ferne fliehen und in der Wüste bleiben.
(Ps 55,8)

Geist­li­ches Leben ist so viel­fäl­tig wie die Menschen, die es führen. Viele Menschen ver­bin­den dennoch das Leben von Ordens­leu­ten mit alt­ehr­wür­di­gen Gemäuern von opu­len­ten Klo­ster­an­la­gen. Ent­spre­chend verdutzt schauen die meisten dann, wenn sie erfahren, dass der Großteil der Geschwi­ster der SJB in Woh­nun­gen in kleinen oder großen Städten leben. Dabei ist das an sich gar nicht so unge­wöhn­lich: viele Grün­dun­gen geist­li­chen Lebens in unserer Zeit haben sich an die Anfor­de­run­gen der modernen Gesell­schaft ange­passt und neue Formen her­vor­ge­bracht. Ein großes Kloster zu unter­hal­ten, ist meist allein der begrenz­ten Kräfte wegen schon eine her­ku­lei­sche Anstren­gung, die die Energie ver­schlingt, bevor geist­li­ches Leben wachsen kann. Wie die Eremiten früher in der Wüste, leben die Geschwi­ster heute in der Wüste der Städte.

Johannes Evangelista — Regionalkonvent Januar 2018 — Eremiten

Das ist auch der Grund, warum für die Geschwi­ster der Hoch­kirch­li­chen St.-Johannes-Bruderschaft die Treffen der Gesamt- und Regio­nal­kon­ven­te so zentral wichtig sind. Man kann zwar — und das Gefühl kennt wohl jeder — eine zeitlang gut für sich sein und leben, aber irgend­wann schlägt die Stille des Allein­seins in die laut­star­ken Gedanken der Ein­sam­keit um. Gerade für Menschen, die sich auf den Weg in die Nach­fol­ge Christi gemacht haben, ist Gemein­schaft zu erfahren, beson­ders wichtig. Denn durch meine Geschwi­ster erfahre ich Stärkung, Unter­stüt­zung und wenn nötig auch Kor­rek­tur. So erging es letzt­lich auch den Eremiten, die immer neben ihrem Leben in der Ein­sam­keit auch der kirch­li­chen Gemein­schaft und ihrer Sakra­men­te bedurf­ten. Viel­leicht ist dies auch in der Legende ent­hal­ten, die von so manchem Ein­sied­ler erzählt wird: er habe sich allein von der Heiligen Kom­mu­ni­on ernährt.

Pieta — Regionalkonvent Januar 2018 — Eremiten

In diesem Monat ist leider ein­ge­tre­ten, was uns schon sehr lange nicht mehr pas­sier­te: der Regio­nal­kon­vent musste aus­fal­len. Zu viele äußere Ver­pflich­tun­gen am Epi­pha­nias­ta­ge haben die Geschwi­ster davon abge­hal­ten nach Bonn zu kommen. Da wurden in Berlin Paten­kin­der getauft und in Köln dienten einige Geschwi­ster in einer Messe an der Anto­ni­ter­kir­che als Kantoren. Ich ging an diesem Tag in eine Pfarr­kir­che, die ich schon aus meinen frü­he­sten Kind­heits­er­in­ne­run­gen kenne, um einer per­sön­li­chen Tra­di­ti­on nach­zu­kom­men: damals kam mein Groß­va­ter mit mir jedes Jahr hierher, die Krippe anzu­schau­en.

Kruzifix — Regionalkonvent Januar 2018 — Eremiten

Die Erfah­rung von Wüste und Oase gehört wie das Wech­sel­spiel von Alltag und Gemein­schaft zu dem Leben, das wir als Geschwi­ster der Hoch­kirch­li­chen St.-Johannes-Bruderschaft führen. Dabei zeigt mir vor allem die gemein­sa­me Sehn­sucht, was der Herr uns anein­an­der schenkt. Erst aus der Per­spek­ti­ve des jeweils anderen wird der Wert von Zeiten der Wüste und Zeiten der Oasen offenbar. Und so ist in mir die Vor­freu­de auf den Februar jetzt schon groß. Bis dahin gebe Gott, dass das Gebet den Durst, den die Wüste des Alltags gebiert, zu stillen vermag.

Gottesmutter — Regionalkonvent Januar 2018 — Eremiten