November 2017 Bad Godesberg
nov-david
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Lob und Preis allen Seinen Heiligen von den Söhnen Israels,
dem Volke, das sich Ihm naht.
Antiphon zum Fest Aller­hei­li­gen „Hymnus omnibus“

Unser Konvent traf sich in der Oktave von Aller­hei­li­gen — dem Fest, an dem wir aller uns vor­an­ge­gan­ge­nen Glieder der Kirche gedenken, die schon zur Voll­endung gelangt sind. Als Novize der Bru­der­schaft durfte ich bisher einfach teil­neh­men. Ich habe dies immer als Privileg emp­fun­den: In den Stun­den­ge­be­ten an den Kon­ven­ten und Tagungen habe ich mit­ge­sun­gen und mit­ge­be­tet. Ich konnte mich voll und ganz auf das Gebet ein­las­sen, es ken­nen­ler­nen, mich hin­ein­le­sen und hin­ein­hö­ren. Die Gemein­schaft der älteren Geschwi­ster trug mich. Mir wurde vor­be­rei­tet, vor­ge­be­tet und vor­ge­sun­gen. Das gehört zu der Zeit des Novi­zia­tes, dass man langsam in die Gemein­schaft hin­ein­wach­sen kann.

November 2017 Bad Godesberg

Doch irgend­wann kommt der Zeit­punkt, dass die jungen Geschwi­ster beginnen, sich mit ihren je eigenen Gaben ein­zu­brin­gen und so das Gesicht der Gemein­schaft zu ver­än­dern. Bei mir war es beim Novem­ber­kon­vent so weit. Bruder Colum­ba­nus hatte mich gebeten, als Kantor (Vor­sän­ger) in der Non zu dienen. Er selbst war als Heb­do­ma­dar für die Ver­tei­lung der Stun­den­ge­be­te zustän­dig. Er half mir bei der Vor­be­rei­tung, indem er die von ihm über­setz­te Antiphon „Hymnus omnibus“ für mich auf Band einsang, sodass ich sie üben konnte, und mit mir im Gespräch den Ablauf der Non durch­ge­gan­gen ist.

Beson­ders wertvoll sind mir die stillen Momente unmit­tel­bar vor den Gebets­zei­ten. Denn dort kann ich die mit­ge­brach­ten Gedanken des Alltages los­las­sen und werde auch inner­lich still für das Gebet. Aber bei meinem ersten Dienst als Kantor war das natür­lich ganz anders, weil ich sehr auf­ge­regt war. Ich hatte Angst, zu schnell zu singen, die Töne nicht zu treffen oder sonst irgend­wie das Gebet zu stören. Am Ende lief alles gut. Spä­te­stens nach dem gemein­sa­men Gesang des Hymnus fühlte ich mich sicher und getragen von der Gemein­schaft. Meine Sorge, dass ich selbst gar nicht ans Beten komme, bei aller Kon­zen­tra­ti­on auf den rei­bungs­lo­sen Ablauf, war unbe­grün­det. Der Kan­to­ren­dienst war sogar richtig schön.

November 2017 Bad Godesberg

Für den gesamten West­kon­vent war unser Bruder Pius aus Dresden eine große Freude, der uns einen Besuch abstat­te­te. Nach dem Gebet der Non wurde der Konvent bei Kaffee und Kuchen im geschwi­ster­li­chen Aus­tausch fort­ge­setzt. Dort erzählte Bruder Pius uns von seinem Leben und beson­ders der Geschich­te der Bru­der­schaft zur Zeit des Kalten Krieges.

November 2017 Bad Godesberg

Am Abend feierten wir gemein­sam mit Bruder Pius die Messe. Meine erste Messe als Mini­strant — ich durfte also gleich eine zweite Premiere feiern. Beson­ders auf­merk­sam habe ich die gesamte Vor­be­rei­tung, die zurecht­ge­leg­ten Gewänder, die ein­zel­nen Gebete vor dem Anziehen, das Bereit­ma­chen des Rauch­fas­ses, das Anzünden der Kohle, das Füllen des Weih­rauch­schiff­chens verfolgt. Denn das alles habe ich zum ersten Mal tun und erleben dürfen. Die Kon­zen­tra­ti­on auf die Abläufe der Messe lassen die Zeit wie im Flug vergehen. Das Mini­strie­ren hat meinen Blick auf die Messe erwei­tert und ver­än­dert.

Mit über­wäl­ti­gen­den Ein­drücken und voller neuer Erfah­run­gen konnte ich diesen schönen Konvent ver­las­sen, mit großer Vor­freu­de auf mehr, mehr Dienst!