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Kommentare deaktiviert für Regionalkonvent im Mai 2017 in Bad Godesberg
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Ich gehe zu dem, der mich gesandt hat, und keiner von Euch fragt mich: Wohin gehst Du? Hal­le­lu­ja hal­le­lu­ja. (Joh 16, 5)

Diese Antiphon greift ein Wort auf aus dem Evan­ge­li­um des Sonntags Cantate, an dessen Vorabend wir uns zum Konvent treffen und durch GOttes Gnade gemein­sa­me Zeit in Gebet und geschwi­ster­li­chem Aus­tausch ver­brin­gen durften.

Es ist in der ersten Vesper des Sonntags vor­an­ge­stellt dem Magni­fi­cat, dem hohen Lob­ge­sang Mariens, und die Kirche hat ihm in ihrer uner­schöpf­li­chen ästhe­ti­schen Weisheit eine Melodie im ersten Ton gegeben, der nach der Tra­di­ti­on der Zister­zi­en­ser auch tonus solemnis (fei­er­li­cher Ton) genannt wird. Zugleich mit der erha­be­nen Schön­heit eignet ihm jene Melan­cho­lie, die jedem wahren Feste angehört, das sich nicht im Event seines Voll­zu­ges erschöpft, sondern im Augen­blick über sich hin­aus­weist auf den großen Zusam­men­hang aller Feste: das Heils­ge­sche­hen GOttes.

Dieses offen­bart Christus Seinen Jüngern im 16. Kapitel des Johan­nes­evan­ge­li­ums in einer jener Fragen, die Seine Zuhörer stets so etwas über­führt, etwas ertappt dastehen lassen. Im fol­gen­den Vers legt Er ihre Trau­rig­keit offen, ihr um sich selbst besorgt Sein, doch nicht wie ein Spötter oder ein Zyniker, sondern gleich­sam als eine trö­sten­de Hand kommt die Antwort auf Seine eigene Frage und richtet die getrüb­ten Blicke zärtlich auf gen Himmel, der Sein Blick­win­kel und Seine Bestim­mung ist.

Darum auch ist jenes Wort der Antiphon kein Grund zur Trau­rig­keit, sondern die Kirche beant­wor­tet es mit dem zwei­fa­chen Lobpreis GOttes, dem sich nicht in einem einzigen Wort erschöp­fen kön­nen­den Hal­le­lu­ja, und obschon wir Heutigen den tonus solemnis zunächst als Moll hören, dem seine Ton­lei­ter in der modernen Musik ent­spricht, wird uns darin zugleich die ganze Schön­heit der Vor­läu­fig­keit aufgetan und Raum gegeben für die Sehn­sucht nach der Voll­endung durch den Heiligen Geist.

So weist dieser Sonntag schon voraus auf Him­mel­fahrt, auf Pfing­sten, und das bedeutet zugleich auch immer auf die ewige Königs­herr­schaft Christi, auf die hin Seine Kirche sich als gestärkt und gesandt erlebt und erweist in den Strömen und Stürmen dieser Welt.

Viel­leicht ist es denn auch in Hinsicht auf die not­wen­dig gewor­de­ne Ver­äu­ße­rung der Mari­en­for­ster Kirche durch die Ev. Johan­nes­kir­chen­ge­mein­de kein schlech­tes Trost­wort: Denn wäre nicht dies Gebäude, in dem auch wir gerne und dankbar unsere Kon­vents­nach­mit­ta­ge ver­bracht haben in lie­be­vol­ler Gast­freund­schaft der Gemeinde und bei einem ein­zig­ar­ti­gen Blick in das reine, schöne Grün der Schöp­fung GOttes, so könnte nun nicht die russisch-ortho­do­xe Gemeinde, die das Gebäude erworben hat und ab Juni als ihre Stätte der gött­li­chen Liturgie in den Dienst unseres gemein­sa­men HErrn stellt, hier eine weitere, kräftige Zeugin sein für das unaus­lösch­li­che Licht der Gegen­wart Christi in Seiner Kirche.