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Kommentare deaktiviert für Regionalkonvent im März 2017 in Köln
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Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils! (2Kor 6,2b)

Wieder ist die Kirche in ihrem Jah­res­lauf in den öster­li­chen Fest­kreis ein­ge­tre­ten und hat uns mit der Vor­fa­sten­zeit eine gründ­li­che Vor­be­rei­tung der öster­li­chen Buß- und eigent­li­chen Fasten­zeit geschenkt, die wir nun begonnen haben – carne vale! Nun hat unser Regio­nal­kon­vent uns auch wieder in jene Kar­ne­vals­hoch­burg Köln geführt, die nach den „tollen Tagen“ erst einmal mit Regen­wet­ter und milden Tem­pe­ra­tu­ren gesegnet wurde. Vier Kon­ven­tua­len und ein Gast fanden sich ein, und gerade in dieser stillen Zeit konnten wir uns, klein an Zahl, doch umso inten­si­ver der geist­li­chen Lesung und Betrach­tung, dem Gebet und kon­zen­trier­ten brü­der­li­chen Gespräch widmen. Und wir konnten erneut fest­stel­len, daß die Fasten­zeit gerade keine „leere“ oder „arme“, sondern eine beson­ders reiche Zeit ist, die Gnade im Überfluß bereit­hält für jeden, der sich auf den Weg der Vierzig Tage macht – Zeit der Gnade, Tag des Heils.


Predigt des heiligen Bischofs Leo des Großen auf die Epistel des 1. Fasten­sonn­tags  –  2Kor 6, 1–10

Gelieb­te­ste! Wenn ich euch jetzt das heilige, große Fasten ver­kün­di­gen will, womit könnte ich da besser beginnen als mit dem Aus­spru­che des Apostels, durch den Christus redete, indem ich euch nämlich wie­der­ho­le, was soeben vor­ge­le­sen wurde (2Kor 6,2b): „Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!“ Wohl gibt es keine Zeit, die nicht reich wäre an Gottes Gnadengaben, wohl steht der Zutritt zu Gottes Barm­her­zig­keit aufgrund Seiner Gnade uns jeder­zeit offen; doch müssen gerade jetzt die Herzen aller mit größerem Eifer nach geist­li­chem Fort­schritt streben und mit größerer Zuver­sicht erfüllt werden, da uns die Wie­der­kehr des Tages, an dem wir selbst erlöst wurden, zu allen Werken der Fröm­mig­keit einlädt; denn rein an Leib und Seele sollen wir das über alles hoch­er­ha­be­ne Geheim­nis des Leidens unseres Herrn feiern. Diesen hoch­er­ha­be­nen Gehem­nis­sen gebührte eigent­lich eine ständige Hingabe und Ver­eh­rung; vor dem Ange­sich­te Gottes sollten wir immer so erschei­nen, wie wir mit Recht am Oster­fe­ste befunden werden. Weil aber dieser Starkmut nur wenigen gegeben ist, vielmehr die Strenge der Gebrech­lich­keit des Flei­sches immer wieder nachläßt und der Eifer infolge der man­nig­fa­chen Geschäf­te dieses Lebens erkaltet, darum müssen not­wen­di­ger­wei­se auch fromme Herzen von dem Staube der Welt befleckt werden. Deshalb ist von Gott diese heilsame Ein­rich­tung getrof­fen worden, daß eine vier­zig­tä­gi­ge Übung uns zur Wie­der­her­stel­lung unserer Her­zens­rein­heit helfen soll; während dieser Zeit sollen gute Werke wieder tilgen und heiliges Fasten wieder aus­mer­zen, was wir zu anderen Zeiten gesün­digt haben.
Da wir nun, Gelieb­te­ste, diese geheim­nis­vol­len Tage beginnen, die zur Rei­ni­gung von Seele und Leib ein­ge­setzt sind, so wollen wir besorgt sein, den Vor­schrif­ten des Apostels nach­zu­kom­men und uns von jeder Befleckung des Leibes und des Geistes zu reinigen. Den Wider­streit zwischen den beiden Teilen unseres Wesens wollen wir zur Ruhe bringen; dann kann der Geist unter Gottes Leitung der Führer des Körpers werden und seine Würde und seine Herr­schaft behaup­ten. Geben wir niemand einen Anstoß und setzen wir uns damit nicht dem Tadel unserer Gegner aus. Denn mit Recht werden uns die Vorwürfe der Ungläu­bi­gen treffen, durch unsere Schuld werden sich die Zungen der Gott­lo­sen daran machen, die Religion zu beschimp­fen, wenn unser Ver­hal­ten während des Fastens mit voll­kom­me­ner Reinheit und Ent­halt­sam­keit im Wider­spruch steht. Denn nicht der bloße Verzicht auf Nahrung bildet die Haupt­sa­che beim Fasten; ja, wir würden ganz umsonst unserem Leib die Speise versagen, wenn nicht auch der Geist vom sündigen Tun sich ent­hal­ten würde.