br-cyprian
Kommentare deaktiviert für Regionalkonvent im Februar 2017 in Bad Godesberg
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Eines bitte ich vom HErrn, das hätte ich gerne: *
dass ich ihm Hause des HErrn bleiben könne mein Leben lang,
zu schauen die Schön­heit des HErrn * und seinen Tempel zu betrachten.
(Ps 27,4 nach Luther 2017)

Die alten Lieder Israels berühr­ten mein Herz seit dem Zeit­punkt, da ich sie das erste Mal in der Kirche erklin­gen hörte. Sie erzählen mit ihrer herben Stimme von allen Zeiten, da der Mensch vor Gott steht, und schenken ihm Worte, wo er nur blass ver­stum­men kann. Die Stimme des Psalters klingt selbst da seltsam bitter und uner­füllt, wenn er von der Zuwen­dung und Liebe Gottes singt. Es ist kein Wunder, dass Ps 27,4 in unseren Ohren in der abge­wan­del­ten Form ver­trau­ter klingt: „zu schauen die schönen Got­tes­dien­ste des HErrn“ heißt es in der neuen Luther­bi­bel. Viel leichter ist das zu ver­ste­hen, viel weniger anstößig. Was aber ist die „Schön­heit des HErrn“, die den Psal­mi­sten an sich zieht, ja geradezu fesselt, und ihn dazu bringt, sein Leben lang im „Hause des HErrn“ bleiben zu wollen? Fast klingt es anrüchig und so, als dürfte man diese Aussage nicht treffen, dass Gott schön sei. Und doch ist die Schön­heit die ein­fach­ste Erklä­rung, dass Er, auf den hin die Mensch­heit ihr Leben lang ange­zo­gen wird, für sie attrak­tiv ist, weil er sie zu sich zieht.

Dass die Kirche hier nicht an Mode­schön­heit denkt, wie tief­grün­di­ge Augen und eine schmale Taille oder breite Schul­tern und ein trai­nier­ter Körper, wie sie den Menschen dieser Zeit an sich selbst viel­leicht gefallen mögen, ist offen­sicht­lich. Im Gegen­teil ist Seine Schön­heit von einer Art, die nicht vergeht. Am ehesten gewahren wir solche Schön­heit, weil wir sie sehen können, anhand der Momente, deren Bedeu­tung für unser Leben wir nicht mehr in Worte fassen können.

Wenn der Vater nach einer langen Lei­dens­zeit der Krank­heit endlich heim­ge­ru­fen wird und sein Gesicht im Moment des Todes so leer des Schmer­zes ist, dass es um Jahre sich zu ver­jün­gen scheint.
Wenn die Tochter mit einem Ruck sich am Schrank hoch­zieht und ihre ersten Schritte mit weit auf­ge­ris­se­nen Augen, ihr Glück kaum selbst begrei­fend, auf die geöff­ne­ten Arme der Mutter zutapst.
Wenn der einzige Sohn, der Ein­ge­bo­re­ne, aus freien Stücken Todes­qua­len auf sich nimmt, um ein ganzes Geschlecht, ein ganzes Volk, ja die ganze Schöp­fung zu retten, so sie Ihm ver­trau­en wollen.

Da ist — mal mehr mal weniger nah, doch immer spürbar — die Schön­heit Gottes, die im Letzten vom Menschen wegweist und die ihn deshalb anzieht, weil Sie so ganz anders ist als er. Dieser Schön­heit nach­zu­ja­gen, sich vom Herrn ziehen zu lassen und diesen Weg mit aller Freude an Seiner Schön­heit zu gehen, das ist das Leben des sehenden, hörenden, rie­chen­den, schmecken­den und tasten­den Menschen in der Einen Kirche Christi.