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Kommentare deaktiviert für Regionalkonvent im Dezember 2016 in Köln

Und immer wieder das gleiche?

Einmal im Monat treffen sich die Geschwi­ster des Regio­nal­kon­vents West der Hoch­kirch­li­chen St.-Johannes-Bruderschaft – und man könnte denken, der äußer­lich immer gleiche Ablauf müsste mit der Zeit zur Ermüdung führen: Anreise von Nah und Fern, Her­rich­tung der Kapelle durch einige treue Geschwi­ster, um 14 Uhr die Non, dann Kaf­fee­trin­ken, Vortrag, Aus­tausch, um 18 Uhr die Vesper oder die Feier der Eucha­ri­stie, danach Abend­essen, um 22.00 oder 22.30 Uhr die Komplet, danach Rückbau der Kapelle, Abschied­neh­men, Abreise. Man könnte auch an die US-ame­ri­ka­ni­sche Film­ko­mö­die „Und täglich grüßt das Mur­mel­tier“ von 1993 denken, in der ein ego­zen­tri­scher Medi­en­mensch jeden Tag den immer gleichen Ablauf der Ereig­nis­se erlebt: er hängt in einer Zeit­schlei­fe fest, bis er als geläu­ter­ter Mann sein Leben fort­set­zen kann.

Sicher, der Ver­gleich hinkt: Bei jedem Treffen des Regio­nal­kon­vents variiert die Zusam­men­set­zung der Geschwi­ster und Gäste. Selten können alle dabei sein. Am ver­gan­ge­nen Samstag waren wir mit elf Teil­neh­men­den eine erfreu­lich große Gruppe. Dann gibt es zwei Orte, an denen wir zum Regio­nal­kon­vent zusammen kommen: je zweimal hin­ter­ein­an­der in der Rigal’schen Kapelle in Bonn-Bad Godes­berg, und zu jedem dritten Termin in den Räum­lich­kei­ten des katho­li­schen Sozi­al­ver­bands In Via in Köln. Wir hören Vorträge zu unter­schied­li­chen Themen und die lit­ur­gi­sche Gestal­tung von Stun­den­ge­bet um Heiliger Messe wechselt mit den Tagen und Zeiten des Kir­chen­jah­res. Dennoch beschlich mich zwi­schen­zeit­lich der Gedanke, dies könnte mit der Zeit eintönig werden, wo wir uns nun schon seit bald zwei Jahren regel­mä­ßig in diesem Rhythmus treffen. Doch es ist nicht so! Und ich habe mich gefragt, woran das liegt.

Es gibt dafür ver­schie­de­ne Gründe, etwa den nahe­lie­gen­den Grund, dass mensch­li­che Begeg­nun­gen immer wieder anders sind und sich allein dadurch die Zusam­men­kunft lebhaft und lebendig gestal­tet. Dann werden Grüße von ver­schie­de­nen Geschwi­stern aus­ge­rich­tet, die die ver­bind­li­che Zusam­men­ge­hö­rig­keit unserer Bru­der­schaft im Beten für­ein­an­der und im per­sön­li­chen Aus­tausch zum Ausdruck bringen. (So erreich­ten uns am Samstag u.a. Grüße aus München, Berlin und Schles­wig-Holstein). Dann war da der Vortrag unseres Bruders Cyprian, der uns den Fort­schritt seiner wis­sen­schaft­li­chen For­schungs­ar­beit am Beispiel der Ent­ste­hungs-, Wirkungs- und Rezep­ti­ons­ge­schich­te der Agende I der VELKD darlegte.

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Wie sich zeigte, treten bei der Unter­su­chung dieses Gegen­stan­des Ent­wick­lungs­strän­ge der lit­ur­gi­schen Ent­wick­lung vom 19. bis ins 21. Jahr­hun­dert geradezu pro­to­ty­pisch hervor. Ich möchte aber einen anderen Grund nennen, der mir beim letzten Regio­nal­kon­vent am 3. Dezember in Köln per­sön­lich schlag­ar­tig deutlich geworden ist.

Ich bin über­zeugt: Wenn wir als Geschwi­ster zusam­men­kom­men, Stun­den­ge­bet halten und das Her­ren­mahl feiern, so bilden wir im Kleinen (wenn auch bruch­stück­haft und unvoll­kom­men) die Eine Kirche ab. Wir stellen uns in den großen Heils­zu­sam­men­hang des Kir­chen­jah­res – Gehei­lig­te Zeit! – und haben Anteil an der Heils-Wirk­lich­keit der Kirche, indem wir Gottes Wort hören, mit der Kirche beten und die Sakra­men­te feiern. Im Advent wird dies beson­ders deutlich. Die ganze Kirche erwartet, ersehnt und erfleht die Ankunft des Erlösers: in der zwei­fa­chen Dimen­si­on des kleinen oder ersten Advents (die Sendung des Got­tes­soh­nes und Seine Mensch­wer­dung in der Krippe zu Beth­le­hem) und des großen Advents (die zweite Wie­der­kunft Christi in Herr­lich­keit am Ende der Zeiten, die wir täglich im Vater­un­ser erbitten).

Einzelne Bibel­ver­se, Gottes „direkte Rede“ an uns – gesungen oder gespro­chen – haben mich bei unserem letzten Konvent unmit­tel­bar getrof­fen und mir diese tiefe Dimen­si­on auf ganz neue Weise zugäng­lich gemacht.

Da war zum einen der Beginn des Intro­itus Populus Sion zum 2. Adventssonntag:

Volk von Zion, siehe, der Herr wird kommen, die Heiden zu erlösen!“

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Zum anderen waren es Worte der Epi­stel­le­sung aus dem Römer­brief des heiligen Apostels Paulus:

Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr ein­träch­tig gesinnt seid unter­ein­an­der, wie es Christus Jesus ent­spricht, damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Darum nehmt einander an, wie Christus euch ange­nom­men hat zu Gottes Ehre.“ (Römer 15,5–7)

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Diese Worte – in der Liturgie erklin­gend – erlebte ich ganz konkret als unmit­tel­bar hin­ein­ge­spro­chen in das Jetzt und Hier. Mit Worten von Benedikt XVI. ist ein solches Hören und Auf­neh­men der Worte der Heiligen Schrift „nicht äußere Erbau­lich­keit (…), sondern das innere Ein­tre­ten in die Präsenz des Wortes. Auf diese Weise geschieht (…) wirklich Ein­füh­rung in die leben­di­ge Schrift als heutiges Wort Gottes.“ Dies ist beson­ders dann zu erfahren, wenn sich Gottes Volk ver­sam­melt, um die heiligen Geheim­nis­se zu feiern. Nach all­ge­mein christ­li­chem, beson­ders aber nach hoch­kirch­li­chem Ver­ständ­nis besteht die Sendung der Kirche ja darin, das, was sie selber ist – in Lehre, Leben und Got­tes­dienst – im Gang der Zeiten treu wei­ter­zu­füh­ren und allen Geschlech­tern zu über­mit­teln. So strebt sie der Fülle der gött­li­chen Wahrheit entgegen, bis sich an ihr Gottes Wort erfüllt.

Als Brüder und Schwe­stern der Hoch­kirch­li­chen St.-Johannes-Bruderschaft sehen wir uns konkret in diese Dynamik hin­ein­ge­nom­men, in leib­haf­ti­ger Kon­se­quenz. Aus diesem Grund passiert auf unseren Kon­ven­ten eben nicht immer wieder das gleiche, sondern wir erleben mit­ein­an­der eine Bewegung von Gott her und auf Gott hin.

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Seelen sind keine Zustände, sondern der sich bewe­gen­de, sich sehnende, vor­über­zie­hen­de Atem Gottes, den ER nur den Menschen mit der Schöp­fung gab, damit dieser Atem zu IHM zurück­fin­det, durch das Leben hindurch mit seinen Pro­ble­men. (…) Denn nicht Kampf ist das Ziel, nicht Mensch­lich­keit, sondern die singende dankbare Rückkehr des geschenk­ten Atems Gottes aus dieser Welt in Seine Ewigkeit. Sin­gen­der Logos.“

So for­mu­lier­te es unser Bruder Justinus anläss­lich unseres Kon­ven­tes im Advent.