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Kommentare deaktiviert für Regionalkonvent im Oktober 2016 in Bad Godesberg
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Auf den Weg habe ich mich gewagt. Aber – könnte man meinen – machen das nicht alle, irgend­wie? Auf dem Weg gehen? Nun. Die Frage dreht sich gar nicht so sehr darum, dass man auf dem Weg ist, sondern auf welchem Weg man ist, und noch viel wich­ti­ger: tat­säch­lich vor­an­schrei­tet. Christen beschrei­ten den Weg, der von unserem Herrn und Heiland Jesus Christus als der „Schmale Weg“ bezeich­net wird. Das mag zunächst nicht son­der­lich unter­halt­sam klingen. Doch man muss genauer hin­schau­en, was mit auf dem Weg­wei­ser geschrie­ben steht: „Ewiges Leben“. Wer diesen Schmalen Pfad schon einige Meilen gegangen ist, stellt fest, dass es immer wieder Abzwei­gun­gen gibt, die ver­lockend, logisch, schön, eben ver­füh­re­ri­scher erschei­nen als der zer­klüf­te­te, dornige, der schein­bar mühsam und unsym­pa­thisch wirkt…

Dort, an der Weg­ga­be­lung steht wieder der kleine Weg­wei­ser mit der Auf­schrift „Ewiges Leben“ und ich sehe zarte Umrisse, wie Gewänder, ein bitter-süßer Nebel­duft erreicht meinen Geruchs­sinn, sich über­la­gern­de Stimmen, sie klingen unter­schied­lich, aber zusammen ergeben sie eine wun­der­ba­re Harmonie. Vor­sich­tig wage ich einen ersten Schritt dorthin, denn ich verspüre schon so lange diesen großen Durst. Aber Wasser ist es gar nicht, was ich erlange. Es ist ein Durst nach mehr, der alles andere so blass erschei­nen lässt… und schon habe ich ver­ges­sen, dass ich die Weg­ga­be­lung hinter mir gelassen habe: Ich muss wohl einen Schritt vorwärts gegangen sein – auf dem dürren Weg. Die Gewand­um­ris­se werden deut­li­cher, der Duft stärker und die Stimmen klang­vol­ler, während ich schat­ten­ar­ti­ge Gesich­ter und eine Hand erblicke, die mich leiten will. Ich bin skep­tisch, denn die Hand und wie sie mir ent­ge­gen­ge­streckt wird, kommt mir so vertraut vor. Wie kann das sein, woher kommt das? Doch meine Frage verhallt sogleich in mir, als ich an der Hand geführt weiter vor­an­schrei­te. Es vergehen einige Schritte erfüllt von unge­heu­er­li­cher Unsi­cher­heit und stam­meln­dem Staunen. Auf Knien wie­der­fin­dend, frage ich mich erschrocken, ob ich schon gestürzt wäre. Hätte ich doch den Sturz spüren müssen. Bevor der üblichen Gedan­ken­stru­del ein­strömt, gerät mein Leib ins Klingen: „Nimm mich auf; dann werde ich leben“ und sogleich ertönt viel­stim­mi­ger Wider­hall. Es sind die Stimmen derer, die sich vor mir auf den Weg gemacht haben. Sie sind es, die ich vorher so vage ver­neh­men konnte. Auf Schwarz ist Weiß geworden. Ein neues Gewand wurde mir über­ge­wor­fen und ein kleines Kreuz an einer roten Kordel habe ich erhalten. Erneut knie ich nieder und finde meine Hände auf­ge­fan­gen in denen eines anderen; sie rufen: „Dimi­tri­os!“


Der Heilige Dimi­tri­os wird beson­ders in der Ortho­do­xen Kirche als Sol­da­ten­hei­li­ger verehrt. Er lebte zur Zeit der Dio­kle­tia­ni­schen Ver­fol­gung und ist dank seiner Stand­haf­tig­keit als Kämpfer Christi in den Chor der Märtyrer der Kirche auf­ge­nom­men worden. Nach außen Soldat der Kirche, nach innen gewapp­net gegen die Lei­den­schaf­ten, um frei zu werden für den Schmalen Pfad.

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Die Geschwi­ster stützen sich gegen­sei­tig auf diesem Weg. Im gemein­sa­men Tun, das nicht nur mit­ein­an­der, sondern auch für­ein­an­der geschieht. Dienen und Sich-In-Dienst-Nehmen-Lassen sind ein untrenn­ba­res Paar. So kam es, dass ich den Dienst des Kantors für die fei­er­li­che Sonn­tags­ves­per auf unserem Regio­nal­kon­vent im Oktober über­neh­men sollte. Die Auf­re­gung scheint natür­li­cher Beglei­ter in einem Heiligen Gesche­hen zu sein. Sie schärft die Sinne und stellt einem die hohe Ver­ant­wor­tung vor die geist­li­chen Augen. Zwar bedeutet die Umhül­lung mit dem Pluviale hier Schutz nach außen, aber vor allem auch Last von oben. Doch „Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“