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Kommentare deaktiviert für Einkleidung auf dem Schwanberg 2016
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Weit breitet sich das Land unter den Schwan­berg.
Schon in der Mor­gen­frü­he vor dem weichen Son­nen­auf­gang von Osten her läuten die Glocken zum Gebet. Johan­nes­brü­der gleiten in ihren Gewän­dern wie weiße Schemen, gleich­sam Vorboten des auf­däm­mern­den Tages, über den Innenhof des Schlos­ses, dessen Wurzeln zurück bis ins 13. Jahr­hun­dert reichen. Die kleine Kapelle leuchtet schon warm vom Ker­zen­licht ins Dunkel der äußeren Welt, gerahmt steht das auf­ge­rich­te­te Kreuz in der Mitte des Altars, auf den hin sich die Geschwi­ster zum Mor­gen­ge­bet, den Laudes, ver­sam­meln. Keiner sagt ein Wort, den Guten­mor­gen sagt ein Kopf­nicken und ein wacher Blick, wo sich ihre Wege kreuzen. Das bele­ben­de Schwei­gen sammelt sich im kleinen Ora­to­ri­um, der Türhüter schließt, und nur durch ein kleines Fenster dringt ein feiner Gesang nach außen: „Herr, tue meine Lippen auf, dass mein Mund Deinen Ruhm ver­kün­di­ge!“ Sie beten heute wie immer, doch auch nicht ganz wie immer.

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Es ist Freitag, der 23. Sep­tem­ber. Einige Brüder müssen dem Gebet fernsein, sie arbeiten schon in der Klo­ster­kir­che St. Michael und bereiten die Messe vor. Auch hier wird nichts Unnützes geredet, die schnel­len, ziel­stre­bi­gen Schritte klingen gedämpft unter den schwar­zen Talaren hervor. Als alles gerich­tet ist, scheint die Sonne schon warm und kräftig durch die Fenster.

Die Messe beginnt, fei­er­lich ziehen Weih­rauch und Kreuz, die Leviten und der Bischof unter Orgel­spiel und Gemein­de­lied ein. Doch sie haben einen bei sich, der so nur heute und gleich­sam ein letztes Mal in ihrer Mitte geht. Er ist auf dem Weg zum letzten Schritt über die heilige Schwelle der Aufnahme als Professe in die Bru­der­schaft.

Die Feier folgt ihrem gewohn­ten Ablauf, deutsche und latei­ni­sche Gesänge fassen inein­an­der und neigen sich zur Ehre Gottes, der Diakon singt das Hl. Evan­ge­li­um, doch als er fertig ist, da klingt eine Stimme vom vorderen Ende des Chor­ge­stühls: „Es trete herzu der Novize Andreas!“ Unser hoch­ge­wach­se­ner Bruder stellt sich vor den Vater und spricht das uralte Wort der Bereit­schaft zur Hingabe, das wir von Abraham emp­fan­gen haben: „Hier bin ich.“

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Seine Arme breitet er aus, als er singt: „Nimm mich auf, o Herr, nach Deinem Wort, dann werde ich leben.“, und kreuzt sie vor der Brust, als er auf die Knie geht zum: „Sieh auf meine Nied­rig­keit und erbarme Dich meiner.“ Dort verharrt er, und alle Geschwi­ster, die schon vor ihm die Schwelle zum Eintritt in die Bru­der­schaft über­schrit­ten haben, singen ihm nach. Dreimal erklingt der Gesang vom Novizen, dreimal von den Pro­fes­sen, und mit jedem neuen Anstim­men rückt der Ton um eine Sekunde höher, gleich so, als wolle der Gesang sich scheu dem Himmel nahen.
Der Vater mahnt den Novizen, stellt ihm noch einmal vor Augen, was es bedeutet, sich der Gemein­schaft anzu­schlie­ßen, hin­zu­ge­ben „als die Trau­ri­gen, und doch allezeit fröhlich, als die Armen, und die doch viele reich machen, als die, die nichts haben, und doch alles haben“ — und doch und gerade darum erklärt der seinen festen Willen: „Ja, ich will es, mit Gottes Hilfe.“ Einmütig wie aus einem Munde ant­wor­ten die Geschwi­ster: „Gott sei ewig Dank.“
Eine Schere wird hin­zu­ge­bracht, mit der der Vater dem Novizen vier Strähnen abschnei­det zum Zeichen der Hei­li­gung, zur Berei­tung für den Dienst im Hei­lig­tum Gottes, wie es seit dem alten Bund Übung ist. Die Geschwi­ster singen Ps 15, gerahmt von jener Antiphon, die auch der Vater und der Novize leise nach­ein­an­der sprechen: „Du bist es, Herr, der mir mein Erbe gibt.“ Die Berei­tung zum Dienst, die Ein­glie­de­rung in den Dienst­stand der Kirche, den Klerus, ist voll­bracht. Die abge­schnit­te­nen Haare werden in ein reines, weißes Tuch ein­ge­schla­gen und später ver­brannt werden.
Nun erhebt sich der Novize, von der Seite her wird ein weißes Gewand gebracht, wie es die ver­sam­mel­ten Geschwi­ster ringsum schon tragen: Umklei­dung für den Gebets­dienst der Bru­der­schaft und Schutz vor den Bedräng­nis­sen der Welt. Nach Schrift­le­sun­gen vom Vater mit Wasser gesegnet, wird es mit einem Gebet dem Bruder ange­zo­gen. Die Kapuze bleibt auf seinem Kopf, was er nun sieht, ist beschränkt auf das Wesent­li­che.

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Wieder wird etwas von der Seite her­an­ge­tra­gen, doch für den fernen Beob­ach­ter ist es schwer zu erkennen: Das Eli­sa­beth­kreuz an der roten Kordel. Auch hier wäscht Wasser den letzten Makel der Welt ab, ver­trei­ben Lesungen aus der Heiligen Schrift unreine Gedanken, breitet das Gebet des Vaters den Gegen­stand über seine mate­ri­el­len Grenzen hinweg zum leib­ge­wor­de­nen Segen aus. „Trage dieses Kreuz als Zeichen unserer Bru­der­schaft und unserer Befrei­ung durch Jesus Christus. Trage es offen als sicht­ba­res Zeichen Deines Dienstes und schäme Dich seiner nicht.“
Die Leviten schlagen ihm nun die Kapuze zurück. Versehen mit Tonsur, Gewand und Kreuz kniet der Bruder erneut nieder, legt dem Vater die gefal­te­ten Hände in die seinen und empfängt von ihm, was allein noch fehlt, den Namen: „Schenke unserem Bruder Dimi­tri­os den Geist der Ausdauer und der brü­der­li­chen Liebe, damit er in unserer Gemein­schaft dem nach­folgt, der uns erlöst hat durch Sein heiliges Blut, Jesus Christus, unserem Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und als König herrscht, wahrer Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

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Danach richtet er den neuen Pro­fes­sen auf und gibt ihm den Frie­dens­gruß in einer Umarmung.
Mit einem Mal kommt Bewegung in die Kirche. Die Geschwi­ster, die eben noch im Chor­ge­stühl saßen oder an gleich welchem Punkt des heiligen Raumes ihren Dienst taten, strömen zur Mitte, ver­sam­meln sich im Rund um den Altar. Dimi­tri­os geht von einem zur anderen und spricht: „Bete für mich.“ und empfängt von einem jeden in der Umarmung das „Gott segne Dich.“
Die Geschwi­ster singen dar­auf­hin: „Bestärke das, o Herr, was Du in uns gewirkt hast von Deinem heiligen Tempel her, der ist in Jeru­sa­lem.“

Ich sehe dies alles, stehe etwas abseits, denn ich bin noch Novize. Und viel­leicht könnte man denken, es müsste wehtun, nicht schon vorne mit im Rund zu stehen, aber daran habe ich gerade keinen Gedanken. Ich bin erfüllt von einer heiligen Ehr­furcht, denn ich war Zeuge der Neu­ge­burt meines Mit­bru­ders im Noviziat Andreas zu unserem Bruder Dimi­tri­os in Ewigkeit.

Br. Dimitrios SJB nach seiner Aufnahme

Er ist immer noch derselbe Mensch, natür­lich, es passiert hier kein Zauber und keine Gewalt, aber wenn ich ihn nun ansehe, dann wohl immer durch das Licht dieser Augen­blicke, in denen er Bruder Dimi­tri­os wurde.
Und schon beim Grup­pen­pho­to nach der Messe vor der Kirche habe ich seinen bür­ger­li­chen Namen fast ver­ges­sen, sehe in ihm meinen großen Bruder, der mir Vorbild und Lehrer sein wird auf meinen eigenen letzten Schrit­ten zur heiligen Schwelle.