br-cyprian
Kommentare deaktiviert für Regionalkonvent im August 2016 in Bad Godesberg
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Die Bibel ist eine Galerie. Ihre Geschich­ten gleichen den Alten Meistern, die in ihr hängen und den Betrach­tern die großen Taten Gottes durch Mark und Bein gehen lassen. Bereits die Hand­lun­gen, die die Mei­ster­wer­ke umranken, sind so beein­druckend wie präch­ti­ge dunkel-lackier­te Eichen­rah­men, aus denen die Kunst der Holz­bild­hau­er Schmuck­stücke von herr­li­chem Wert geschaf­fen hat. Wenn man vor diesen Arte­fak­ten steht und sie bestaunt, atmet man die Weisheit und oft den Witz alter Zeiten.
Wer die bibli­schen Geschich­ten liest und sie — Gemälden gleich — mit den Augen eines Kindes zu bestau­nen vermag, der wandelt durch die Jahr­hun­der­te der Geschich­te Gottes mit seinem aus­er­wähl­ten Volk. Denn Kin­der­au­gen allein ver­ste­hen sich darauf, unsere Wirk­lich­keit zu sehen, wie sie wirklich ist. Wer nur das sieht, was er vor Augen hat, ist letzt­lich blind.

Wer ein Gemälde zu lesen vermag, erblickt durch das Bild hindurch das Leben. In einem Museum — einem sterilen Raum, vor weißer Wand und dumpfer Schritte Hall erstirbt der hoff­nungs­vol­le Kin­der­blick und bleibt in der Holz­plat­te mit der Ölfarbe einer ver­gan­ge­nen Zeit unver­se­hens stecken. Von Glück kann sagen, wer dann über­haupt erkennt, was abge­bil­det ist.

MeisterVonSchöppingen

Vor 14 Jahr­hun­der­ten war Gregor Bischof in Rom und feierte dort für das Volk Gottes täglich die Eucha­ri­stie. Seine beschei­de­ne Fröm­mig­keit und tiefe Hingabe zu Christus waren weithin bekannt. Und so begab es sich an einem Morgen, dass er den Got­tes­dienst feierte und die Hosti­en­bäcke­rin zugegen war, die während des Hoch­ge­be­tes anfing zu lachen: „Das ist nur Brot und nichts sonst! Ich hab es gestern selbst gebacken!“ Da stockte Gregor, wandte sich um, gewahrte die Frau und betete zum Herrn. Da wurde aus der Hostie Fleisch, in Form eines Fingers, den zeigte er der Frau. Da war sie stumm.

Vor sechs Jahr­hun­der­ten baute man Kirchen, die Portale in den Himmel waren. Wer sie betrat, fand sich im Himmel wieder. Ihre Fenster färbten das Licht in himm­li­sche Spektren, Wohl­ge­rü­che aus fernen Ländern umspiel­ten sichtbar die Altäre und die Glocken kündeten durch alle Lande vom immer­wäh­ren­den Gesang der Engel. So fein waren die Augen und die Ohren und die Nasen der Menschen damals, dass sie all das in jeder Kirche wahr­nah­men.

Aber auch der Zweifel, an der Wirk­lich­keit und Wirk­sam­keit der heiligen Hand­lun­gen kam damals auf wie heute. Das Gemälde hing über dem Haupt­al­tar in einer Kirche der Fran­zis­ka­ner in West­fa­len. Wie heute auf Groß­bild­lein­wän­den bei Kon­zer­ten, sah der gläubige Christ damals einen Priester vor dem Altar und einen Priester sah er über dem Altar auf dem Gemälde die Eucha­ri­stie voll­zie­hen. Es war und ist der einzelne gläubige Christ, der staunend sieht, wie sich die Zeiten ver­mi­schen zur ewigen Wahrheit, zur ewigen Wirk­lich­keit: Gott kommt in der Eucha­ri­stie, seit dem Abend­mahl in Emmaus leiblich zu Seinem Volk.

Dies bezeugt jede Feier der heiligen Eucha­ri­stie heute, genauso wie das Gemälde des Meisters von Schöp­pin­gen, ebenso wie das Lebens­bei­spiel von Gregor dem Großen und der Begeg­nung der beiden Jünger am Abend von Emmaus. Die Geschich­te Gottes mit Seinem Volk — der Weg Gottes zu den Menschen in Jesus Christus hat kein Ende.


Zu diesen Gedanken inspi­rier­te der Vortrag von Dipl.-Theol. Heike Stöck­lein, Münster, „Liturgie im Bild. Mit­tel­al­ter­li­che Dar­stel­lun­gen christ­li­chen Got­tes­dien­stes“, den wir am 6. August, am Festtag der Ver­klä­rung des Herrn, in Bad Godes­berg hörten.