nov-malte
Kommentare deaktiviert für Regionalkonvent im Juli 2016 in Köln
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Entweder et räänt oder de Barrier is eraff — so sagt man hier, gele­gent­lich jeden­falls. Nun, heute schien die Sonne und ich kam ohne Hin­der­nis­se zu Br. Cyprian, was mich dem Tag gegen­über in das gesunde Miss­trau­en setzte, das ein solcher braucht, um zu gelingen. Von Scho­ko­la­de und Kaffee abge­se­hen natür­lich, und dem Wohl­wol­len des HErrn, von dem nicht abge­se­hen werden kann, viel­leicht, weil es selbst beim Hinsehen mit zusam­men­ge­knif­fe­nen Augen nicht immer auf Anhieb zu erkennen ist.

Zunächst einmal hoben wir aber andere Dinge an, und zwar nicht gerade wenige: Wenn es die Gnade Gottes so fügt, dass wir die Hl. Eucha­ri­stie zusammen feiern dürfen, weil einer unserer ordi­nier­ten Brüder den für jeden von ihnen weiten Weg zu uns auf sich nimmt, so kommt eine zweite Klapp­ki­ste ins Spiel, voll bepackt mit mir – ich gebe es zu – noch immer in weiten Teilen geheim­nis­vol­len Gegen­stän­den: Glas­kan­nen in ver­schie­de­nen Größen, eben­sol­chen Tüchern, klin­gen­den Schellen und in roten Samt gebet­te­ten vasa sacra: von Hei­lig­keit erfüll­ten — nein, doch nicht Vasen, sondern Gefäßen!

Die kleine Kapelle des IN-VIA-Ver­ban­des zu Köln, sie hat etwas ebenso Gedrun­ge­nes wie Hei­me­li­ges, bietet Schatten ebenso wie eine Ahnung des lang ersehn­ten, kom­men­den Lichtes Christus.
Vier Brüder kämpften dort gemein­sam gegen sechs Ker­zen­leuch­ter, die ihrer­seits nicht annä­hernd so viel Inter­es­se daran hatten, dass sie sich in Eben­mä­ßig­keit und Auf­rich­tig­keit auf dem Altare hin­stell­ten, wie wir.
Zur Non aber, da standen die Kerzen bereit, sich zur Ehre Gottes zu ver­zeh­ren, und waren ein Sinnbild für die sich in den Chor­bän­ken zum Gebet ein­fin­den­den Geschwi­ster.
Unter dem Gesang der Kirche kam die Welt in diesem kleinen, heiligen Raum zur Ruhe.

Dat war man ook nötig — dachte ich so, als das Studium begann, und zwar mit Kaffee und dem Anblick von Kuchen.
Was aber hier zu sehen ist, gerade jetzt in diesem Augen­blicke: Worte, Formen, Farben dieser Website, das war nämlich den Geschwi­stern noch unbe­kannt, und es hat mir Spaß gemacht, als der tech­ni­sche Sach­ver­stän­di­ge dieses Projekts, oder – wie ich mich viel häufiger fühle – Zau­ber­lehr­ling, dessen gemur­mel­te Sprüche („Abra Kadabra, If-Then-Else-PHP!“) bis­wei­len gar etwas Ähn­li­ches zeitigen, wie ihm im Geiste gestan­den war, oder aber etwas Anderes, noch viel Besseres – von den Fehl­schlä­gen schwei­gen wir, sie gehören der Erin­ne­rung –, als solcher Sprü­che­we­ber und Hans­damp­fi­nal­len­gas­sen also das bisher unter der inhalt­li­chen Leitung und Ermu­ti­gung unseres Kon­vents­äl­te­sten Erar­bei­te­te dem inter­es­sier­ten Blick der Geschwi­ster preis­zu­ge­ben.

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Im Anschluss hielt uns Vater +Martin, wieder einmal noch am selben Tage zusammen mit Br. Dominik AAK den weiten Weg aus Berlin ange­reist aus Liebe zu Gott und Seiner Kirche, einen mit­rei­ßen­den Vortrag über die Genese und Sinn­rich­tung der Agende, nach der unsere Abend­mahls­got­tes­dien­ste gefeiert werden: mit­rei­ßend nämlich in die Ströme, die aus der Ver­gan­gen­heit lebendig fließen und noch unsere Gegen­wart schön und kräftig nähren. Manches Bächlein durften wir da ent­decken, das in den großen Fluss ein­mün­det, auf das von selbst zu stoßen, ohne Kund­schaf­ter und Führer durch den Wald der Liturgie, nicht eben einfach wäre — oder wer suchte wohl aus eigenem Antriebe nach einem Gewächs, das an den Strömen kel­ti­scher Lit­ur­gi­en heimisch wäre und sich doch so wohl vertrüge mit seinen Nachbarn aus Spanien, aus Syrien, aus Rom, der Ewigen, wie in unserer Feier des Her­ren­mahls nach alt­kirch­li­cher Ordnung?
Ich glaube, uns allen hat dieser Streif­zug in fernste und nächste Zeiten nicht allein wieder den Blick ent­stellt auf das, was die Kirche als wahrhaft katho­lisch und apo­sto­lisch erweist – ihre bunte Leben­dig­keit nämlich –, sondern auch auf wun­der­ba­re Weise schon vor­be­rei­tet auf die Messe, indem unsere Sinne geweckt und geöffnet waren für die Zusam­men­hän­ge, die der Himmel der Erde geschenkt hat: sich selbst.

Von solchen hohen und dem mensch­li­chen Zugriff gna­den­reich ent­zo­ge­nen Dingen mehr zu schrei­ben, mir ist es nicht gegeben.
Aber ein Wort aus der Predigt, das will ich wie­der­ge­ben, denn – auch das kann ich ganz frei­mü­tig gestehen – gerade als aus­ge­spro­che­ner Pre­digt­muf­fel ist es mir umso nötiger, solches im Herzen zu bewahren: „In Maria kommt der Erlöser der erlö­sungs­be­dürf­ti­gen Welt entgegen, in Eli­sa­beth die erlö­sungs­be­dürf­ti­ge Welt ihrem Erlöser.“
Schöner, reiner und reicher habe ich nie gehört, wie dieser große, advent­lich auf­leuch­ten­de Festtag mit dem sper­ri­gen Namen Mariä Heim­su­chung auf­ge­schlos­sen würde, als hier von Vater +Martin.

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Und wie erlö­sungs­be­dürf­tig diese Welt bis auf den heutigen Tag noch ist, das war unter den gequäl­ten, bangen und endlich jubelnd sich ent­la­den­den Rufen der Fuß­ball­fans zu hören: An einem Abend mit EM-Vier­tel­fi­na­le Deutsch­land gegen Italien aber auch aus­ge­rech­net zu einem Ita­lie­ner essen zu gehen, um sich dort nett zu unter­hal­ten, das konnte wirklich nur uns ein­fal­len in aller christ­li­chen Einfalt!

Als die Welt zu ihrem Ergebnis kam (es lautete übrigens 6 : 5 für Deutsch­land nach Elf­me­ter­schie­ßen, wie ich später gelesen habe), gingen auch wir dem Ende unseres gemein­sa­men Tages in der Komplet entgegen. Es war kein Laut zu hören von draußen, kein Rufen und Schreien, wie heilige Schran­ken waren die Bunt­glas­fen­ster vor die Scharten nach dem Draußen geglit­ten, und wie es die Weise der Kirche ist, so bedeutet das Ende des Tages nicht den Abschied vom Leben, sondern gerade dessen Gruß und herz­li­ches Will­kom­men: Salve Regina, mater miser­i­cor­diae, vita, dulcedo et spes nostra, salve!