br-cyprian
Kommentare deaktiviert für Regionalkonvent im Juni 2016 in Bad Godesberg
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Wenn ein Fest ins Wasser fällt, kann man zuhause bleiben. Doch was macht man, wenn man bereits auf dem Fest ange­kom­men ist? In unserem Fall hieß das, „Röcke hoch und los!“. Nach den starken Regen­fäl­len, die die Gegend im Süden Bonns heim­ge­sucht hatten, blieb uns nämlich wenig anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

Der Tag begann im Grunde genommen mit dem ganz normalen Wahnsinn: Eine evan­ge­li­sche Kapelle im All­tags­ge­wand in ihr hoch­kirch­li­ches Fest­kleid zu stecken. Aus einer Decke werden drei. Aus zwei Leuch­tern werden sechs. In ihrer Mitte strahlt das Kreuz empor, das wir vor wenigen Tagen vor dem Sperr­müll gerettet hatten.

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Als die Non in der Rigal’schen Kapelle ver­klun­gen war, ging es für uns in das Gemein­de­haus der Mari­en­for­ster Kirche zu einem Aus­tausch zu unserer Ordens­re­gel. Doch was heißt es, nach einer Ordens­re­gel ohne Klo­ster­mau­ern zu leben? Da zu unserem Regio­nal­kon­vent drei Novizen gehören, die das Leben als Teil der Bru­der­schaft für sich erproben wollen, sind auch grund­le­gen­de Themen bei unseren Treffen wichtig.

Unsere Reise, bei der wir durch knappe Impuls­vor­trä­ge an sechs Sta­tio­nen rasteten, begann bei unserer eigenen Regel und führte uns über die ersten Ordens­ge­mein­schaf­ten, deren Väter Basilius, Augu­sti­nus oder Bene­dik­tus hießen, auch zu den Statuten der Heils­ar­mee und zur Evan­ge­li­schen Micha­els­bru­der­schaft, die strengen Blickes am Horizont auf­tra­ten.

Eine Regel ist nicht nur starre Kette, sondern auch lie­be­voll beglei­ten­de Hand. Viel­leicht ist die Essenz dessen, was uns vor Augen getreten ist, dass die Regel der St.-Johannes-Bruderschaft für die Regu­lier­ten wie ein Keil­rah­men ist, der das eigene Leben spannt. Wie ein Gemälde wird er bemalt ‒ mit dem Lebens­weg auf Christus hin.

Der Weg vom Gemein­de­haus zurück zur Kapelle gelang uns noch ohne Mühe. Doch als wir nach dem Vesper­got­tes­dienst, vor die Kapelle traten, trauten wir unseren Augen kaum:

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Unser gemein­sa­mes Abend­essen beim Ita­lie­ner im Godes­ber­ger Zentrum war ins Wasser gefallen. Sturz­bä­che über­flu­te­ten die Straßen um den Kurpark und machten die Anlage um das Kleine Theater und den Ten­nis­platz zu einer Insel. Was ist das absur­de­ste, was man sich bei so einem Wetter vor­stel­len kann? Ja, viel­leicht sind es Männer in Röcken, die ver­su­chen trocke­nen Fußes über diese Schlamm­strö­me zu kommen. Das dachten sich sicher auch die zahl­rei­chen Godes­ber­ger, mit denen wir wie Störche durch die Wasser staksten.

Zu Abend aßen wir dann auf dieser Insel im über­flu­te­ten „Nildelta“. Naja, eine spa­ni­sche Insel. Neben einem Ten­nis­court. Mitten in Bad Godes­berg. Aber immerhin: sehr medi­ter­ran!

Und als wir in Gedanken schon begannen, die Gum­mi­boo­te auf­zu­pum­pen, um zum Nacht­ge­bet zu paddeln, da waren die Wasser schon geteilt, der Weg zur Kapelle wieder geöffnet. Und so kamen wir ohne Ret­tungs­we­ste, Paddel oder Gum­mi­boot, zur Komplet ‒ kamen wir nach hause; auch wenn das Fest(-essen) ins Wasser gefallen war.