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Ein Örtchen mitten im Hoch­tau­nus, das zwischen bewal­de­ten Hügeln in einer Talsenke zu schlafen scheint. Ein Örtchen mit einem kleinen Friedhof am Orts­aus­gang, wo im Jahr 1989 drei Gräber verloren gingen. Ein Örtchen, das wir an einem grauen Tag im Mai 2016 besucht haben, weil unser Br. David diese Gräber wie­der­ge­fun­den hat.

Dass nach einer Ruhezeit von bis zu 30 Jahren ein Grab auf­ge­löst wird, das passiert auf jedem Friedhof von Zeit zu Zeit. Und bei den meisten Gräbern leben nach dieser Zeit nurmehr die Enkel. Für Menschen mit außer­or­dent­li­chen Ver­dien­sten muss das aller­dings nicht gelten: Dass das Grab von Adalbert Graf von Franken-Sier­s­tor­pff nach 67 Jahren auf­ge­löst worden ist, hing wohl eher damit zusammen, dass man ver­ges­sen hatte, welche Bedeu­tung dieser Mann für jeden Menschen hat, der sich im Stra­ßen­ver­kehr bewegt: Er entwarf unsere Ver­kehrs­schil­der.

Man mag sich fragen, was die Johan­nes­bru­der­schaft mit dem ent­ste­hen­den Auto­mo­bi­lis­mus in Deutsch­land zu tun hat, und wird zu dem Ergebnis kommen: Nicht viel. Was aller­dings unser Kern­ge­schäft berührt, war der Wunsch unseres Bruders, den vor 94 Jahren ver­stor­be­nen Grafen Adalbert († 1922) mit einem fest­li­chen Requiem zu ehren.

Vt. +Martin und Br. Dominik reisten aus Berlin und ein Großteil der Geschwi­ster aus dem Rhein­land in den Taunus, um in der kleinen Dorf­kir­che von Oberrod einen Fest­got­tes­dienst zur Wie­der­ein­wei­hung der Gräber des Grafen und seiner Familie zu feiern. Die Gemeinde für diesen Got­tes­dienst kam aus ganz Deutsch­land ange­reist. Neben den beiden Enke­lin­nen des Grafen waren viele Mit­glie­der des Kai­ser­li­chen Auto­mo­bil­clubs (heute AvD), dessen Mit­be­grün­der der Graf war, ver­sam­melt und auch einige neu­gie­ri­ge Ober­ro­der kamen zur fest­li­chen Messe und staunten nicht schlecht, was sich dort zutrug.

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Nach der Messe, deren Liturgie und Gestal­tung Br. David nach dem Formular der luthe­ri­schen Agende I von 1955 (VELKD) zusam­men­ge­stellt hatte, lief die Fest­ge­mein­de in einer Pro­zes­si­on durch das ver­reg­ne­te Örtchen zum nahe­ge­le­ge­nen Friedhof.

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Dort ange­kom­men, ver­weil­ten wir am Grab der ver­stor­be­nen Paula Rühl. Sie ist lange Zeit, auch wenn man das bei einer Dame für gewöhn­lich ver­schweigt, die älteste Ober­ro­de­rin gewesen und kannte die Gräfin Bertha ‒ Adal­berts Gattin ‒ noch aus eigenem Erleben. Br. David hatte von ihr viele nütz­li­che Infor­ma­tio­nen zum Verbleib der Gräber erhalten und eigent­lich waren sich bei der Planung des Fest­ak­tes nach dem Got­tes­dienst alle einig, dass Frau Rühl dabei eine Rede halten muss. Doch wenige Monate vor dem Fest ging sie heim.

An ihrem Grab sangen wir die Antiphon „In para­di­sum“ in deut­scher Sprache:

Zum Paradies geleite dich der Engel Chor,
bei deiner Heimkehr nehme dich auf der Mär­ty­rer­schar
und sie führe dich heim in die heilige Stadt Jeru­sa­lem

Der Chor der Engel nehme dich auf,
und mit Lazarus, dem vormals armen,
gebe dir Gott den ewigen Frieden

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Die Ein­seg­nung der Gräber, am 94. Todestag des Grafen Adalbert war für den Ort ein großes Ereignis. Auch das Wies­ba­de­ner Tagblatt, die örtliche Zeitung, berich­te­te über den Festakt ‒ wenn sie auch den Namen der Bru­der­schaft leicht abän­der­te.

Für uns war dies ein ganz beson­de­res Ereignis, an dessen Ende wir staunend, ob der Lebens­lei­stung des Grafen, und glück­lich, ob der wun­der­ba­ren Arbeit von Br. David, vor den drei Gräbern standen.

Grab Franken-Sierstorpff

Herr, gib ihnen die ewige Ruhe
Und das ewige Licht leuchte ihnen.

Mögen sie in Frieden ruhen.
Amen.