Regionalkonvent im Juli 2018 in Bonn
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Lobe den HERRN, meine Seele!
Ich will den Herrn loben, solange ich lebe,
und meinem Gott lob­sin­gen, solange ich bin.
(Ps 146, 1f)

Am ersten Samstag im Juli 2018 trafen sich die Geschwi­ster des Regio­nal­kon­ven­tes West der Hoch­kirch­li­chen St-Johannes-Bru­der­schaft von 14 bis 22 Uhr in der Rigal’schen Kapelle in Bonn-Bad Godes­berg, um mit­ein­an­der das Stun­den­ge­bet zu beten und zu singen – Non, Vesper und Komplet – sowie bei Aus­tausch und Essen Gemein­schaft zu erleben. Aus den vielen Ein­drücken dieses Tages will ich einen Gedanken her­aus­he­ben, der mich beson­ders beschäf­tigt hat.

Regionalkonvent im Juli 2018 in Bonn

Seit seinen Anfängen vor bald vier Jahren blüht und gedeiht unser Regio­nal­kon­vent und wächst kon­ti­nu­ier­lich. In diesem Zeitraum haben mehrere Brüder und Schwe­stern aus unserem Konvent, der das Rhein­land, West­fa­len und angren­zen­de Gebiete umfasst, die Erpro­bung des Novi­zia­tes durch­lau­fen und sind in der fei­er­li­chen Aufnahme (Profess) Glieder unserer Bru­der­schaft geworden. Unser Zusam­men­sein ist somit stark geprägt von dyna­mi­schen Pro­zes­sen.

Regionalkonvent im Juli 2018 in Bonn

Trotz (und sicher auch wegen) der Unter­schie­de der ein­zel­nen Cha­rak­te­re lernen wir intensiv von- und mit­ein­an­der. Hinzu kommt, dass bei allen Geschwi­stern eine ver­läss­li­che Bereit­schaft zum aktiven Mittun vor­aus­ge­setzt wird. Da bleibt kaum Platz für Gewöh­nung oder All­tags­trott. Die Freude an der gegen­sei­ti­gen Berei­che­rung im geist­li­chen Dienen und Wachsen über­wiegt ganz ein­deu­tig und prägt maß­geb­lich unser Mit­ein­an­der.

Dies kam mir in den Sinn, als wir in der Antiphon zum zweiten Psalm der Vesper (Psalm 146) in Über­set­zung des latei­ni­schen Textes sangen: „Ich will meinen Gott loben in meinem Leben.“ Beim Singen und Betrach­ten dieses Kehr­ver­ses verschob sich die Bedeu­tung dieses kurzen Satzes für mich in einem kleinen, aber ent­schei­den­den Akzent. Das „IN meinem Leben“ stand mir plötz­lich ganz neu und viel tiefer vor Augen, als ich es vorher gehört, gesehen habe. Im Singen wurde diese Akzent­ver­schie­bung für mich zum Gebet:

Regionalkonvent im Juli 2018 in Bonn

Wie verhält es sich denn mit den Erfah­run­gen des Ermüdens und Erschlaf­fens, des Aus­trock­nens, mit dem geist­li­chen Hunger und Durst, die es natür­lich auch gibt „IN meinem Leben“? Wie geht es meinen Geschwi­stern damit – gerade auch in den Zeiten zwischen unseren Kon­ven­ten, in denen wir mit unseren geist­li­chen Erfah­run­gen und Fragen oft alleine sind?

Ver­las­set euch nicht auf Fürsten;
Sie sind Menschen, die können ja nicht helfen.
(Ps 146, 3)

In meiner Vor­stel­lung trat mir das Bild der „Wüste“ vor Augen, das in der mona­sti­schen Lite­ra­tur eine lange Geschich­te hat: Da gibt es zum einen die langen ermü­den­den Durst­strecken. Das erhoffte, ange­streb­te Ziel am Horizont rückt in immer weitere Ferne. Manchmal glaubt man auch, dieses ersehnte Ziel als eine trü­ge­ri­sche Fata Morgana ent­lar­ven zu können. Die Anstren­gung greift die Nerven an und ist kör­per­lich spürbar: Körper, Geist und Seele sehnen sich nach einer labenden Erfri­schung.

Auf der anderen Seite gibt es die „Oasen“, Orte zum Auf­tan­ken, die Kühlung und Nahrung, Ruhe und Erholung schenken, wahre Kraft­quel­len. In ihnen findet sich „Wasser des Lebens“, Brot und Wein. Bei diesem Bild dachte ich unwei­ger­lich auch an die Gegen­wart Gottes, der sich uns in der Fülle Seines Erbar­mens in der Eucha­ri­stie schenkt.

Regionalkonvent im Juli 2018 in Bonn

An dem Bild der „Wüsten­wan­de­rung“, die ich – und auf die eine oder andere Weise sicher auch meine Geschwi­ster – gerade in den Zeiten zwischen unseren Kon­ven­ten erfahre, erscheint mir bemer­kens­wert: Die „Karawane“ kann sich nur dann sicher von Quelle zu Quelle bewegen, wenn sich in ihr Menschen zusam­men­fin­den, die eine gemein­sa­me Ori­en­tie­rung teilen. Arbeiten die ein­zel­nen Kräfte hier nicht mit- sondern gegen­ein­an­der, dann steht die gesamte Weg­ge­mein­schaft in der Gefahr, ihr Ziel nicht zu errei­chen und zu schei­tern.

Denn des Menschen Geist muss davon,
und er muss wieder zu Erden werden;
dann sind verloren alle seine Pläne.

(Ps 146, 4)

Als ich die Antiphon „Ich will meinen Gott loben IN meinem Leben“ sang, ging mir schlag­ar­tig auf, dass der Zeitraum zwischen den „Oasen“ – in einem anderen, neuen Licht betrach­tet – gar keine bloße Dur­strecke ist: Die Zeit „dazwi­schen“ besteht nicht bloß aus ermü­den­den und aus­zeh­ren­den Etappen, die es so schnell wie möglich hinter uns zu lassen und zu über­win­den gilt. Sie wird uns gewährt als eine Zeit der Bewäh­rung. Was wie eine Zumutung emp­fun­den wurde, ist in Wahrheit ein Geschenk – eine Zeit der Gnade und des Heils. Gerade IN der Prüfung ereignet sich das Handeln des Drei­ei­ni­gen Gottes an uns (auch wenn wir dies oft erst im Rück­blick erkennen).

Regionalkonvent im Juli 2018 in Bonn

Der Herr ist König ewiglich.
Dein Gott, Zion, für und für.
(Ps 146, 10)

Gerade IN unserer Schwach­heit, in unserer Bedürf­tig­keit und Ange­wie­sen­heit auf Gottes Führung und Bewah­rung erweist sich die Stärke des men­schen­lie­ben­den Gottes, der uns nicht an den Krisen unseres Lebens vor­bei­führt, sondern – das ist ent­schei­dend – hindurch. So dürfen wir den Herrn mit dem Apostel Paulus rühmen, der uns ver­si­chert, dass Seine Kraft in den Schwa­chen mächtig ist und wir es uns an Seiner Gnade genügen lassen sollen: „Darum will ich mich am aller­lieb­sten rühmen meiner Schwach­heit, auf dass die Kraft Christi bei mir wohne.“ (2 Kor 12,9)

Diese Erfah­rung nicht nur alleine – als Indi­vi­du­um isoliert in den jeweils per­sön­li­chen Lebens­um­stän­den – zu machen, sondern in Gebets­ge­mein­schaft mit meinen Schwe­stern und Brüdern, ist ein unver­dien­tes Geschenk, für das ich unge­teilt dankbar bin. Ich erfahre dies im besten Sinne als Gnade!

Regionalkonvent im Juli 2018 in Bonn

Und so fällt es mir nicht mehr schwer, auch für die Dur­strecken, die es in meinem Leben (wie auch im Leben einer jeden Gemein­schaft) gibt, von Herzen dankbar zu sein und sie aus Gottes Hand als Geschenk anzu­neh­men.

Mit dem syrisch-ortho­do­xen Kir­chen­va­ter, Bischof und Hym­nen­dich­ter Jakob von Sarug, der im 5./6. Jahr­hun­dert im damals christ­li­chen Ana­to­li­en lebte, bitte ich den Herrn:

Mahle mir Herr, jetzt, IN der Stunde der Erschöp­fung, den Weizen des Lebens.“

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